Abstiegsgespenst verjagt
Angespannt startete eine fast vollständig jedoch wieder einmal scheinbar ersatzgeschwächte Donaustädter Mannschaft zur vorletzten Runde in die Wiener Landesliga.
Doch diesmal lief es von Start weg optimal. Gerald Hechl auf einem der beiden Schwarzbretter in der oberen Mannschaftshälfte konnte rasch ein Remis einfahren. Das zweite Schwarzbrett war 30 Minuten unbesetzt. Dann kam endlich im vollen Einsatz mit dem Taxi angerauscht Harald Pingitzer. Rasch konnte er auch das zweite schwarze Spitzenbrett mit einem Remis absichern.
Damit war der SCD seinem Plan drei Punkte zu erreichen schon einen großen Schritt weiter. GM Niki Stanec, der 10fache Österreichische Staatsmeister, war mit einem Sieg mit den weißen Steinen eingeplant. Er hatte jedoch mit FM René Wukits einen der Topscorer dieser Saison zu bezwingen. Dahinter auf den vorderen Brettern drei halbe Punkte. Wenn schließlich in der zweiten Mannschaftshälfte ein Lucky Punch gelang wäre das Minimalergebnis bereits erreicht. Es sollte besser laufen.
Nun fehlte nur mehr der Sieg des Großmeisters auf Brett 1 um das Plansoll zu erreichen. Nach einer weiteren Stunde sah es auf allen Brettern gut aus für den SCD. GM Stanec steht bereits klar besser. MK Hermann Robitsch, der Veteran des SCD und wahrscheinlich des Österreichischen Schachs überhaupt (er spielt heuer sein 75stes Jahr Meisterschaftsschach) brachte gegen Siegfried Zörnpfennig eine feurige unübersichtliche Stellung auf das Brett. ÖM Gerhard Holzer, Wiener Landesmeister 2006, stand ebenfalls schon gut. Die anderen Partien waren noch spannungsgeladen im Remis-Bereich. Wenn auch die Donaustädter auf fast jedem Brett 100 ELO schwächer waren.
Dann ein Paukenschlag. Martin Gockner beendet auf Brett 10 seine Partie. Der Gegner Philip Dimitrov machte unter Druck einen schweren Fehler. Damit führte der SCD erstmals in diesem Wettkampf. Da kurz darauf Stanec ebenfalls seine Partie gewann konnte die Führung auf 4 zu 2 ausgebaut werden. GM Stanec hat damit in der höchsten Wiener Spielklasse in dieser Saison schon 6,5 Punkte aus 8 Partien erzielt. Damit dürfte er heuer Spieler des Jahres werden.
Robitsch und Zörnpfenning fetzten weiterhin mit wilden Zügen über das Brett. Nach langem Nachdenken in der entscheidenden Stellung wählte MK Robitsch noch einmal eine verschärfte Fortsetzung. Dies war leider zuviel des Guten. Zörnpfennig nutzte die Gunst der Stunde und brachte Tschaturanga auf 3 zu 4 heran.
Unter Beobachtung des Spielertrainers des SCD, GM Niki Stanec, spielte ÖM Gerhard Holzer neuerlich eine tolle Partie. Nach einem druckvollen Aufbau mit weiß öffnete Holzer seinem Spielstil entsprechend die Stellung. Alle Figuren bedrohten aktiv gegnerische Position. Schließlich konnte Claus Suttner das Matt nicht mehr abwenden. Der 5 zu 3 Zwischenstand bedeutete, dass der Wettkampf zumindest gehalten werden konnte.
Die erste Zeitkontrolle nach fast vier Stunden war vorüber. Wie schon bei vielen anderen Wettkämpfen auch waren 80% der Partien gespielt. Nun begann das lange Warten. Georg Brüll und Peter Adlersburg hatten jeweils mit Schwarz gegen deutlich stärkere Gegner nun schon lange Stand gehalten. Zäh und um ja keinen Fehler zu machen wurde auch jeder weitere Zug lange bedacht. Eine Reduktion der Bonuszeit nach dem 40. Zug ist wirklich zu überdenken. Fast zwei Stunden harrten neben den Wettkämpfern noch die beiden Mannschaftsführer und einige Zuseher aus. Da kam ein für die Donaustädter sehr wichtiges SMS – Abstiegskonkurrent Ottakring soll seinen Wettkampf 2,5 zu 7,5 verloren haben.
Die Endspiele wogten hin und her. Im Publikum wechselten die Stellungseinschätzungen ebenfalls von Zug zu Zug. Schließlich kam es nach rund 6 Stunden zu den verdienten Punkteteilungen.
Sensationeller Endstand – Donaustadt schlägt die favorisierten Kämpfer von Tschaturanga mit 6 zu 4. Damit scheint das Abstiegsgespenst verjagt zu sein.
Besonders lobend erwähnt werden muss die ausgezeichneten Rahmenbedingungen im Spiellokal des Gastgebers Tschaturanga. Viel Platz für jeden Spieler, Turnierruhe und gute Beleuchtung sorgten für eine angenehme Atmosphäre. Auch eine Idee wurde geboren. Tschaturanga und Donaustadt werden zwei Fernschachpartien miteinander austragen. Diese Partien sollen dann auf den beiden Clubhomepages Woche für Woche den Vereinsmitgliedern präsentiert werden.
|